Berlin, 16. Mrz (Reuters) – ZEW-Präsident Achim Wambach warnt vor einer Einmischung der Politik in die mögliche vollständige Übernahme der Commerzbank durch die italienische UniCredit. „Die Bundesregierung sollte den Übernahmeprozess nicht behindern“, sagte der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Gerade bei Dienstleistungen gebe es innerhalb der Europäischen Union (EU) hohe Handelskosten, trotz des gemeinsamen Binnenmarktes. „Diese Barrieren beruhen meist auf nationalen Politiken“, sagte Wambach. In diesen geopolitischen Zeiten sei Europas Binnenmarkt aber das Pfund, mit dem die EU wuchern könne. Es sollte im Interesse der nationalen Regierungen sein, sich für eine stärkere wirtschaftliche Integration einzusetzen.
„Zunächst einmal hätte die Übernahme Vorteile für den Standort Europa“, betonte Wambach. „Sie ist ein wichtiger Schritt hin zu einer Spar- und Investitionsunion, die nicht an nationalen Grenzen halt macht.“ Allerdings sollte die Bankenaufsicht sorgsam die Auswirkungen der Übernahme auf die Finanzstabilität untersuchen. Im europäischen Binnenmarkt gebe es erhebliche Barrieren. Der ZEW-Präsident verwies auf Untersuchungen der Europäischen Zentralbank (EZB), wonach die Handelskosten innerhalb der EU im Dienstleistungsbereich besonders hoch seien.
Die Folgen eines Zusammengehens der beiden Geldhäuser für die Finanzierungsbedingungen in Deutschland hält Wambach für eher begrenzt. „Bei Unternehmensbefragungen stehen Probleme mit der Finanzierung weit hinter Bürokratiekosten und Fachkräftemangel“, sagte der Experte.
UniCredit legte am Montag ein freiwilliges Übernahmeangebot für das zweitgrößte börsennotierte deutsche Bankhaus vor. Die Eigner des Frankfurter Geldhauses erhielten 0,485 neue UniCredit-Papiere für jede Commerzbank-Aktie, wie die italienische Großbank mitteilte. Über die hierfür notwendige Kapitalerhöhung solle bis zum 4. Mai 2026 in einer außerordentlichen Hauptversammlung entschieden werden.
(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter [email protected])
