Mehr als 1.100 Wissenschaftler, Künstler und Kulturfiguren haben einen offenen Brief unterzeichnet, der Rektorin Donatella Fioretti von der Kunstakademie Düsseldorf gegen Rücktrittsfordungen verteidigt. Die Unterzeichner warnen vor politischem Druck auf Hochschulen und fürchten einen «gefährlichen Präzedenzfall» für Eingriffe in die Wissenschafts- und Kunstfreiheit. Der Streit entzündet sich an Antisemitismus-Vorwürfen gegen eine palästinensische Künstlerin, die im Januar 2026 an der Akademie aufgetreten war.
Ausgelöst wurde die Kontroverse durch eine Veranstaltung mit der Künstlerin Basma al-Sharif, die von Studierenden eingeladen worden war. Der Künstlerin wurde Antisemitismus vorgeworfen. Ein Rechtsgutachten der Hochschule kam jedoch zu dem Schluss, dass ihre Äußerungen nicht strafrechtlich relevant seien und unter die Meinungsfreiheit fielen.
Die Hochschulverwaltung ließ den Vortrag unter Einschränkungen zu: Wegen Drohungen in sozialen Medien wurde die Teilnahme auf Hochschulangehörige beschränkt. Diese Entscheidung reichte Kritikern nicht aus.
Oberbürgermeister fordert Rücktritt
Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) unterzeichnete eine Petition, die Fiorettis Rücktritt fordert. Die Unterzeichner des offenen Briefes kritisieren diese politische Einflussnahme scharf. Sie warnen, «dass die aktuelle Eskalation zu einem gefährlichen Präzedenzfall für politische Eingriffe in die verfassungsrechtlich geschützte Wissenschafts- und Kunstfreiheit sowie die Hochschulautonomie werden könnte.»
Besonders kritisch sehen die Unterzeichner die Verwendung des Begriffs «Deckmantel» im Zusammenhang mit der akademischen Freiheit. Dieser Begriff sei von der AfD eingeführt worden und werde nun auch von anderen Parteien verwendet.
